Hakakian, Roya

Hakakian, Roya | Bitterer Frühling

Der Bericht einer Kindheit und Jugend im vorrevolutionären Iran kulminiert in den Ereignissen des Frühlings 1979. Roya Hakakian berichtet aus einer ungewöhnlichen Perspektive: sie ist das jüngste Kind einer jüdischen, aufgeklärten Mittelstandsfamilie, die unter den Freiheitsbeschränkungen des Schahregimes zu leiden hatte, denen aber die Freiheit der Religionsausübung gewährt wurde. Als nun die Ära des Ayatollah Chomeini beginnt, hoffen die Autorin und ihre Angehörigen, das eine zu gewinnen, das andere aber nicht zu verlieren. Eine Hoffnung, die zu einem revolutionären Taumel führt, der alle Schichten der Bevölkerung erfasst. Eine Hoffnung, die bitter enttäuscht wird, daher der Titel der autobiografischen Erzählung. Diese gibt interessante Einblicke in die reiche persische Kultur, in den Alltag der verschiedenen Konfessionen und in den schleichenden Fundamentalismus, der schließlich die Oberhand behält. Seit 1984 lebt die Autorin, Filmemacherin und Journalistin im Exil in den USA, ihre Schriften sind im Iran verboten. Manchmal bekommt sie Mails von unbekannten Menschen aus dem Iran, die ihr Buch gerne lesen würden – sie hängt das Manuskript in Ihrer Antwort an.

 

Handelsblatt, 2008